Zusammenfassung
Mit KI lässt sich in wenigen Minuten ein erster Website-Entwurf erstellen. Bis daraus eine veröffentlichte, unter eigener Domain erreichbare und zuverlässig nutzbare Website wird, sind aber weitere Schritte notwendig.
Warum ich diesen Artikel schreibe:
Seit KI in aller Munde ist, klingt es oft so: Ohne Vorkenntnisse in fünf Minuten eine Website erstellen – und schwupps, wird sie gefunden und die ersten Kunden kommen.
Ich gestalte seit über 20 Jahren Websites, vor allem für Selbstständige, Praxen, Vereine und kleine Unternehmen. In letzter Zeit kommen immer häufiger Menschen zu mir, die ihre Website mit KI in einem Baukasten erstellt haben. Der Start war schnell und günstig. Jetzt stecken sie fest: beim Layout, im gewählten Tarif oder bei der Frage, ob Anfragen über das Kontaktformular überhaupt ankommen.
Ich rate nicht von KI ab – ich nutze sie selbst regelmäßig. Ich rate aber dazu, die Entscheidung bewusst zu treffen und nicht in den ersten fünf Minuten.
Fünf Minuten sind echt. Die Arbeit danach auch.
KI-Website-Tools sind gut darin, schnell einen ersten Entwurf zu bauen: Seitenstruktur, Farbschema, Platzhaltertexte, passende Bilder. Für eine erste Idee ist das ein echter Gewinn, und ich nutze solche Werkzeuge selbst.
Was dabei oft untergeht: Ein Entwurf ist noch keine Website, die rechtssicher läuft, gefunden wird und in zwei Jahren noch funktioniert. Dieser Artikel zeigt, was nach dem Knopfdruck kommt.
Drei Arten von „KI-Website“
Hinter dem Begriff stecken drei sehr verschiedene Dinge. Die Probleme danach sind jeweils andere.
| Art | Beispiele | Wer hostet? | Typischer Haken |
|---|---|---|---|
| Baukasten mit KI-Assistent | Jimdo, Wix, IONOS, STRATO, Hostinger | Der Anbieter | Layout nur in engen Grenzen änderbar, Umzug bedeutet Neubau Nutzung von KI für Texte und Bilder erst ab Plus-Tarifen |
| Prompt-zu-App-Tools | Lovable, Bolt, v0 | Meist der Anbieter, eigener Server möglich | Moderner Code, aber Daten und Backend oft bei US-Diensten; Pflege braucht Technikwissen |
| Code aus dem Chat | ChatGPT, Claude, Gemini | Sie selbst | Upload, Hosting, Formular-Technik, PHP und Updates liegen komplett bei Ihnen |
Wichtig für die Einordnung: Bei Baukästen und Tools wie Lovable brauchen Sie kein FTP. Ein Klick auf „Veröffentlichen“ reicht. Die Arbeit verschiebt sich dort von der Technik zur Frage, wie viel Kontrolle Sie über Ihre eigene Website behalten.
Was ist FTP?
Ein FTP-Zugang (File Transfer Protocol) ermöglicht es, Dateien zwischen Ihrem Computer und dem Webserver Ihrer Website auszutauschen. Dieser liegt bei IONOS, Strato oder All-inkl.com etc.
Sie können es sich vorstellen wie einen Lieferdienst für Dateien zwischen Computer und Website (die sich ja bei IONOS etc. befindet).
Was nach dem Knopfdruck kommt
Die KI baut, was Sie ihr beschreiben. Sie weiß aber nicht, was Sie vergessen haben zu beschreiben. Diese Punkte bleiben fast immer bei Ihnen (und kosten Zeit und möglicherweise Geld).
Inhalte, die zu Ihnen passen
KI-Texte klingen glatt, aber austauschbar. Die KI kennt Ihre Kundschaft, Ihre Preise und Ihre Geschichte nicht. Genau das unterscheidet Sie aber von Ihren Mitbewerbern. Auch Suchmaschinen und KI-Suchsysteme wie ChatGPT oder Perplexity brauchen konkrete, eigene Informationen, um Sie zu empfehlen.
Rechtliches
Impressum und Datenschutzerklärung erstellt die KI nicht verlässlich für jeden Fall. Die Datenschutzerklärung soll jeden eingebundenen Dienst nennen: Hosting, Schriften, Karten, Videos, Formulardienst. Wer nicht weiß, welche Dienste die KI eingebaut hat, kann sie auch nicht korrekt benennen.
DSGVO-konform? Äpfel und Birnen
Wirbt ein KI-Dienst oder Website-Baukasten mit „DSGVO-konform“, bezieht sich das häufig auf den Dienst selbst und dessen Umgang mit personenbezogenen Daten. Das bedeutet nicht automatisch, dass auch die damit erstellte Website DSGVO-konform ist. Für Ihre eigene Datenschutzerklärung, eingebundene Dienste und gegebenenfalls notwendige Cookie-Einwilligungen bleiben Sie selbst verantwortlich.
Formulare
Hier passieren viele Fehler, weil man sie nicht (sofort) merkt oder sieht:
- Das Kontaktformular funktioniert nicht. Nur weil ein Formular auf der Website angezeigt wird, heißt das nicht, dass es auch Nachrichten verschickt. Bei KI-generierten Websites fehlt manchmal die notwendige Technik. Oder die E-Mails werden nicht richtig versendet und landen im Spam.
- Spamschutz kann zum Datenschutzproblem werden. Google reCAPTCHA schützt vor unerwünschten Nachrichten, überträgt dabei aber auch Besucherdaten an Google. Dafür kann eine Einwilligung erforderlich sein. Es gibt datenschutzfreundlichere Alternativen.
- Ihre Daten landen bei fremden Anbietern. Manche Formulare speichern die Angaben Ihrer Besucher bei externen Dienstleistern, möglicherweise auch in den USA. Hier müssen Sie prüfen, welche Datenschutzvorgaben gelten, ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung erforderlich ist und was in Ihrer Datenschutzerklärung stehen muss.
- Zu viele Pflichtfelder schrecken ab. Fragen Sie nur nach Informationen, die Sie wirklich benötigen. Das ist nicht nur gut für den Datenschutz, sondern macht es Besuchern auch leichter, Kontakt aufzunehmen.
Barrierefreiheit
Kontraste, Tastaturbedienung, Alternativtexte, sinnvolle Überschriften: Das prüft die KI selten mit. Ob es Sie betrifft, hängt also vom Einzelfall ab. Sinnvoll ist Barrierefreiheit trotzdem immer. Lesen Sie hierzu meinen Artikel über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) →
Vorsicht bei Werbeversprechen wie „barrierefrei nach WCAG 2.2“: Das beschreibt, was die Plattform technisch möglich macht. Ob Ihre Website tatsächlich barrierefrei ist, entscheidet sich an Ihren Inhalten: Ein Foto ohne Alternativtext, hellgraue Schrift auf weißem Grund oder ein Video ohne Untertitel macht auch die beste Plattform nicht barrierefrei.
Gefunden werden
Eine Website ist kein Selbstläufer. Seitentitel, Beschreibungen, strukturierte Daten, ein Google-Unternehmensprofil, schnelle Ladezeiten: Das muss jemand einrichten und prüfen. Baukästen nehmen Ihnen einen Teil ab, setzen aber auch Grenzen.
Sichtbarkeit als Zusatzabo. Baukästen verkaufen GEO inzwischen extra – bei STRATO etwa einen KI Search-Manager ab 25 €/Monat, der auch Präsenz in ChatGPT, Gemini und Perplexity verspricht.
Hosting, PHP und Updates
Wer Code aus dem KI-Chat selbst hochlädt, ist für den Server verantwortlich. Ein Beispiel ist PHP, die Programmiersprache hinter vielen Websites. Jede PHP-Version bekommt vier Jahre lang Updates, danach keine Sicherheitskorrekturen mehr. Hier mein vertiefender Artikel dazu auf meinem Blog ↑
Hoster stellen veraltete Versionen irgendwann um. Code, den niemand pflegt, kann dann still und leise aufhören zu funktionieren, zum Beispiel das Kontaktformular.
Abhängigkeit vom Anbieter
Bei Baukästen gehört Ihnen der Inhalt, die Website als Ganzes aber nicht. Sie können sie meist nicht einfach mitnehmen. Steigen die Preise oder reichen die Funktionen nicht mehr, bleibt oft nur der Neubau. Die Abhängigkeit verschwindet also nicht, sie verlagert sich von einer Person zu einer Plattform.
Beispiel 1: Jimdo und das Layout
In meiner Beratung erlebt: Eine Kundin startet mit dem KI-Assistenten von Jimdo, ist nach wenigen Minuten online und merkt zu spät, dass die Website nicht mitwächst und sich nicht anpasst an ihre Ideen und Erfordernisse. Optisch und inhaltlich.
Der Ablauf ist denkbar einfach: Sie beantworten Fragen, Jimdo schlägt Layouts vor, Sie wählen eines aus. Danach ändern Sie das Layout vor allem, indem Sie ganze Abschnitte hinzufügen, verschieben oder löschen. Ein wirklich eigenes Design ist so nicht möglich.
Wer später wechseln will, steht vor einem zweiten Problem: Jimdo bietet laut eigener Hilfe keine Möglichkeit, selbst ein Backup der Website zu erstellen. Ein Umzug zu WordPress oder einem anderen System ist deshalb kein Export, sondern ein Relaunch – ein kompletter Neuaufbau. Texte, Bilder und Seitenadressen müssen von Hand übertragen und alte Adressen weitergeleitet werden, damit Google-Platzierungen nicht verloren gehen.
Das heißt nicht, dass Jimdo schlecht ist. Für eine einfache Visitenkarte ohne Wachstumspläne kann es genau passen. Es heißt nur: Die Entscheidung in den ersten fünf Minuten wirkt länger nach, als man denkt.
Beispiel 2: IONOS – rechnen Sie selbst nach
IONOS wirbt beim Homepage-Baukasten mit „Profi-Website in Sekunden dank KI“. Die Einstiegspreise sind niedrig. Ein Blick auf die Laufzeiten lohnt sich trotzdem.
| Tarif | Einstiegspreis | Danach | Unterseiten | KI-Texte und KI-SEO |
|---|---|---|---|---|
| Starter | 6 € / Monat für 6 Monate Domain* | 12 € / Monat | 10 | Nein |
| Plus | 1 € / Monat für 12 Monate Domain* | 18 € / Monat | 200 | Ja |
| Pro | 18 € / Monat für 6 Monate Domain* | 33 € / Monat | Unbegrenzt | Ja |
Quelle, Stand Okt. 2026 ionos.de/websites/homepage-baukasten#tarife ↑
* Die Kosten der Domain findet man erst bei Vertragsabschluss raus, oder man fragt den Chatbot (der dann fairerweise zu einem Menschen weitergeleitet wurde):
Eine .de Domain kostet nach dem ersten Jahr 1,30 €/Monat
Eine .com Domain kostet nach dem ersten Jahr 2,- €/Monat.
Rechnet man diese Preise einfach weiter, ergibt sich folgendes Bild:
| Tarif | 1. Jahr | Nach 3 Jahren (.de) | Nach 5 Jahren (.de) |
|---|---|---|---|
| Starter | 108 € | 427,20 € | 746,40 € |
| Plus | 12 € | 475,20 € | 938,40 € |
| Pro | 306 € | 1.129,20 € | 1.952,40 € |
Annahmen: Die Preise bleiben gleich, es kommen keine Zusatzleistungen hinzu.
Ein paar Fragen, die Sie sich dabei stellen können:
- Welchen Tarif brauche ich wirklich, wenn die KI-Funktionen erst ab „Plus“ enthalten sind?
- Was ist im Preis enthalten: Technik und Hosting. Was nicht: Ihre Texte, Ihre Fotos, Ihre Rechtstexte und Ihre Zeit.
- Was passiert, wenn ich in drei Jahren wechseln möchte?
- Wer hilft mir, wenn die Website zwar online ist, aber keine Anfragen bringt?
Auch hier gilt: Ein Baukasten kann die richtige Wahl sein. Wichtig ist nur, dass Sie ihn mit offenen Augen wählen.
Zwei Verträge, zwei Laufzeiten
Bei IONOS sind Domain und Website-Paket getrennte Verträge mit eigenen Laufzeiten. Deshalb ist die Domain nur im ersten Jahr inklusive und wird danach extra berechnet. In meiner Beratung habe ich mehrfach erlebt, dass jemand die Domain zu einem anderen Anbieter umgezogen hat – und der Website- oder Baukasten-Vertrag lief weiter und wurde weiter abgebucht. Kündigen Sie deshalb beide Verträge einzeln und prüfen Sie danach im Kundenkonto, ob wirklich nichts mehr läuft.
Beispiel 3: Was kostet eine Website mit Lovable?
Lovable erstellt Websites mithilfe von KI. Für eine eigene Domain ist ein kostenpflichtiger Tarif ab etwa 25 US-Dollar monatlich erforderlich. Hinzu kommt ein Credit-System: Die Erstellung und spätere KI-gestützte Änderungen verbrauchen Credits. Reichen die im Tarif enthaltenen Credits nicht aus, können zusätzliche Kosten entstehen. Wie hoch diese ausfallen, lässt sich zu Beginn schwer abschätzen.
Für eine einfache Unternehmenswebsite sollten Sie grob mit 300 bis 450 Euro im ersten Jahr rechnen. Das ist eine Schätzung; je nach Tarif, Änderungsbedarf und zusätzlichen Diensten können die Kosten höher liegen.
Quelle: https://lovable.dev/de/pricing ↑
Für klassische Unternehmenswebsites ist Lovable deshalb nicht unbedingt die wirtschaftlichste Lösung. Neben den laufenden Kosten entsteht Aufwand für die Prüfung von Datenschutz, Kontaktformularen und SEO sowie für die regelmäßige Inhaltspflege.
Und warum arbeite ich mit WordPress?
Die ehrliche Antwort zuerst: WordPress ist nicht für jede Website die beste Lösung.
Ich setze es ein, weil die Website dann Ihnen gehört. Sie können Inhalte exportieren, den Hoster wechseln und die Seite mit Ihrem Angebot wachsen lassen, ohne von vorne anzufangen.
Dafür braucht WordPress Pflege, allerdings weniger, als viele denken. Ich setze bewusst auf bewährte, weit verbreitete Themes und Plugins statt auf Exoten. Die meisten Updates laufen automatisch. Einzelne Erweiterungen, bei denen ein Update genauer geprüft werden sollte, aktualisiere ich von Hand. Auch die PHP-Version behalte ich im Blick. So bleiben meine Websites wartungsarm und trotzdem aktuell.
Für eine kleine Visitenkarte, die sich selten ändert, kann ein Baukasten völlig reichen. Wenn das bei Ihnen so ist, sage ich Ihnen das auch.
Checkliste: Ist Ihre KI-Website startklar?
*Apropos: Selbst wo ein Export existiert, gilt bei STRATO, dass er nicht mehr möglich ist, sobald die Kündigung wirksam geworden ist. Also: erst sichern, dann kündigen.
Häufige Fragen
Kann ich mit KI wirklich in fünf Minuten eine Website erstellen?
Einen Entwurf ja. Eine Website, die rechtlich sauber ist, gefunden wird und Anfragen zuverlässig zustellt, braucht deutlich mehr Zeit für Prüfung und Anpassung.
Ist das Kontaktformular meiner KI-Website DSGVO-konform?
Das lässt sich nur im Einzelfall beantworten. Prüfen Sie, wohin die Daten gehen, welcher Spamschutz eingebaut ist und ob die Datenschutzerklärung das abbildet.
Mein Baukasten wirbt mit „barrierefrei“. Reicht das?
Nein, nicht automatisch. Die Plattform schafft die technischen Voraussetzungen. Alternativtexte, Kontraste und verständliche Inhalte liegen weiter bei Ihnen.
Kann ich meine Jimdo-Website später zu WordPress umziehen?
Ja, aber nur als Neubau. Jimdo bietet kein Backup und keinen Export der ganzen Website. Inhalte werden von Hand übertragen, alte Adressen weitergeleitet.
Muss meine Website barrierefrei sein?
Das BFSG gilt seit Juni 2025 für bestimmte Angebote an Verbraucher. Kleinstunternehmen sind bei Dienstleistungen ausgenommen. Ob Sie betroffen sind, hängt von Ihrem Angebot und Ihrer Unternehmensgröße ab. Mehr dazu →
Lohnt sich KI für meine Website überhaupt?
Ja, als Werkzeug. Für Ideen, Struktur und erste Texte spart KI Zeit. Die Entscheidungen über Inhalt, Technik und Recht nimmt sie Ihnen nicht ab.
Und die Steuer? Kosten für eine betrieblich genutzte Website sind grundsätzlich absetzbar. Laufende Baukasten-Abos zählen in der Regel sofort als Betriebsausgabe, eine extern erstellte Website wird meist über drei Jahre abgeschrieben. Ihre eigene Arbeitszeit können Sie dagegen nicht ansetzen. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag Website selbst erstellen oder erstellen lassen: Was ist steuerlich absetzbar?
Sie haben schon eine KI-Website oder stecken in einem Baukasten fest?
Ich schaue mir das gerne mit Ihnen an und kläre, was bleiben kann und was sich zu ändern lohnt.
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Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Ob BFSG oder Datenschutzpflichten für Sie gelten, klären Sie im Zweifel im Einzelfall.
